
Der Junge ist tot. Er liegt zerschmettert auf den Stufen einer Terrasse und Daniel Shore (Nikolai Kinski) muss schleunigst raus. Raus aus Marokko, weg aus Tanger, weg von der Mutter des toten Jungen, einer Prostituierten (Morjana Alaoui), die sich in Daniel verliebt hatte.
Daniels zweites Leben beginnt in der Stuttgarter Wohnung seiner verstorbenen Großmutter mit dem Trauma des Todes und den wachsenden Schuldgefühlen im Gepäck. Die Wohnung befindet sich in einem Haus voller Geheimnisse, düsterer Winkel und äußerst merkwürdiger Bewohner. Eine sexuell gestörte Sängerin (Katharina Schüttler), eine Concierge (Judith Engel) mit Ordnungswahn, ein seltsamer Bankangestellter (Matthias Matschke), der vielleicht pädophil ist, und ein kleiner verschlossener Junge (Lukas Mückefuss) bevölkern die Flure.
Schuld, Paranoia, Delirium, Fragezeichen

Kinowelt
Ein Film, der spaltet - nicht nur seinen Hauptdarsteller: "Die zwei Leben des Daniel Shore"
Dieser Film ist ein Delirium. Und die Hauptfigur mutiert zum Paranoiker in einer Welt voll pathologisch kranker und unglücklicher Menschen. Der Zuschauer wird in diese Welt hineingeschmissen, ohne Information und Orientierung.
Regisseur Michael Dreher lässt in seinem Film keine klare Deutung des Geschehens zu. Ein großes Risiko für einen deutschen Debütfilm.
Doch die Rechnung geht auf: Die Geschichte von "Die zwei Leben des Daniel Shore" setzt sich im Kopf jedes einzelnen Zuschauers zusammen, für Diskussionen nach dem Kinogang ist damit auf jeden Fall gesorgt. Und egal, welchen Film jeder einzelne am Ende sieht - es wird ein dunkler und bedrohlicher sein. Nicht jedem mag das gefallen, doch der Mut und die Radikalität der Filmemacher sind auf jeden Fall imponierend.
Das müsst ihr sehen: Die Filme der Familie Kinski
1. "Paris, Texas" – Ein Mann verschwindet spurlos und kehrt nach vier Jahren verwahrlost und verstummt wieder zurück. Nastassja Kinski spielt die große Liebe dieses Mannes und ist dabei selbst eine Verschwundene.
2. "Zwischengleis" – Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Eine Frau (Pola Kinski) stößt auf der Flucht einen kleinen Jungen aus einem Zug um sich selbst zu retten. Sie wird ihre Tat niemals vergessen können und droht an der Schuld zu zerbrechen.
3. "Fitzcarraldo" – Fitzcarraldo träumt von einem Opernhaus im Amazonas Urwald. Für sein Projekt muss er einen Dampfer über einen Hügel schleppen lassen. Der beste gemeinsame Film von Regisseur Werner Herzog und seinem wahnsinnigen Schauspielerpendant Klaus Kinski.































