
Es gehört sozusagen zum guten Ton, dass Musik aus Island ein bisschen komisch ist. Man denke an Mùm, Sìgur Ròs und allen voran an die Mutter der nordischen Weirdness: Björk. Allesamt Künstler, deren Musik extrem eigensinnig und eigenständig ist. Die Gründe dafür scheinen offensichtlich: Kleines Land, wenige Menschen, bizarre Lichtverhältnisse, Mythen von Elfen und dampfende Geysire. Das Setting könnte perfekter nicht sein für seltsame Musik abseits des Mainstream. Und auch wenn all das wie ein Klischee klingt – es passt haargenau zu den Tracks auf dem Debütalbum von FM Belfast: "How To Make Friends".
"We're running down the street in our underwear" singen sie da, und man kann es sich bildhaft vorstellen, wie die vier nach der Bandprobe und einem zünftigen Saunagang nackt durch die verschneiten Straßen von Reykjavik rennen. Bei einer durchschnittlichen Temperatur um den Gefrierpunkt muss man sich das aber erstmal trauen. Viele Tabus scheint es für FM Belfast ohnehin nicht zu geben – sonst könnten sie nicht allen Ernstes eine Coverversion des 90er-Eurodance-Hits "Pump Up The Jam" auf ihr Album packen.

So macht man sich Freunde: Das FM Belfast-Debüt "How To Make Friends".
Die Schamgrenze ist auf "How To Make Friends" also eher in den niedrigeren Regionen angesiedelt. Nackte Menschen, Eurodance, fiepsender Elektro-Pop, Kuhglocken und wackelige Beats. Dabei gleiten FM Belfast aber nie in Klamauk oder gar Schwachsinn ab. Man verzeiht ihnen jede noch so peinliche Geste und versteht sie als augen- zwinkernde Ironie. "How To Make Friends" ist eben das Album einer Band, die nicht um Glaubwürdigkeit bei ihren Hörern buhlt und die genau deswegen absolut ehrlich wirkt. An ihrer Musik ist nichts gestellt oder von langer Hand geplant. Womit wir wieder bei der isländischen Eigensinnigkeit wären.
"How To Make Friends" hört sich eben an, als hätten sich ein paar Freunde eines Nachmittags getroffen, um miteinander Musik zu machen, und dabei scheinbar im Vorbeigehen ein großes Popalbum produziert. Und es ist genau diese ungezwungene Art, die FM Belfast so sympathisch macht. Es geht eben um Freundschaft und nicht um den großen Profit – da passt es auch ins Bild, dass die Band bereits jetzt einen Plan für ihr nächstes Album im Kopf hat: "Wir brauchen Geld! The next album will be called 'How to get rid of friends and earn more money.'"
Money, bitches, fame?! Mal sehen, ob sie diese Drohung mit dem zweiten Album wahr machen. Bis dahin stehen sie auf der Sympathie-Liste jedenfalls ganz oben.

























